FAQ (How to Wilde Liga)

Wir haben häufig gestellte Fragen (frequently asked questions, FAQ) beantwortet und den daraus entstandenen Guide hier als „How to Wilde Liga“ veröffentlicht.

Was ist eigentlich diese Wilde Liga, von der in Wien derzeit alle reden?

Wir, das Kollektiv Wilde Liga Wien, gründeten uns im Februar 2017, inspiriert durch die Bunten und Wilden Ligen in Deutschland, der Tradition des Calcio Popolare in Italien sowie einiger nonkompetitiver und solidarischer Fußballturniere wie dem Wiener Ute Bock Cup, den Mondiali Antirazzisti in der Emilia und dem No Racism Cup in Lecce.

In unserer Premierenspielzeit 2017/18 debütierten 14 Teams, für die zweite Saison stehen aktuell 17 Teams in den Startlöchern.

Was ist eure Ballsportphilosophie?

Unserem Grundgedanken folgend wollen wir Menschen die Möglichkeit geben, außerhalb von Vereinen und ohne das strenge Reglement des ÖFB Fußball zu spielen. Das meint einen freundschaftlichen Kick ohne Leistungsdruck – und ohne Schiedsrichter*in. Damit sind die Teams und all ihre Spielerinnen verantwortlich dafür, was auf dem Platz passiert. Das klappt nur, wenn sich Motschkern, Fouls und Einflussnahme von außen in Grenzen halten und wir uns respektvoll und kompromissbereit begegnen. Übertriebener Ehrgeiz oder Rechthaberei sind da eher hinderlich, Fairness und Rücksichtnahme auf die körperliche Unversehrtheit sind oberste Gebote, um einfach ausgelassen und lustvoll Spaß am Fußball haben zu können.

Unser Fußball soll von Gleichberechtigung, Diversität und gegenseitigem Respekt geprägt sein – ungeachtet von Gender, sexueller Orientierung, Religion oder Herkunft! Wir verstehen uns als Projekt, das dazu beitragen will, die cis-Männer-Dominanz im Fußball zu brechen. Unser gemeinsames Ziel – Fußball jenseits von Gender-Barrieren – begreifen wir als Prozess, an dem wir gemeinsam arbeiten wollen. Deshalb sagen wir: ALL GENDERS WELCOME! – und werden versuchen, diesem Anspruch konsequent gerecht zu werden.

Ich möchte unbedingt Teil der WLW sein. Darf ich bitte mitmachen?

Klar. Zur Teilnahme am Projekt sind alle Fußballteams, Initiativen, Organisationen, Netzwerke und Einzelpersonen eingeladen, die sich diesem Geist der Wilden Liga verpflichten.

Welche*r (noch) kein Team hat, aber dennoch mitmachen möchte, ist ebenfalls willkommen. Dilettant*innen aller Bezirke, vereinigt euch!

Die Anmeldephase zur aktuellen Spielzeit 2018/19 ist am 18. August zu Ende gegangen.

Wenn du als Spieler*in in der laufenden Saison einsteigen willst, melde dich bei uns, komm zu einem Plenum oder Spieltag auf die Schlosswiese. Es gibt immer ein Team, das noch Unterstützung braucht. Oder schalte ein Inserat in unserer Spieler*innenbörse!

Was ist die Spieler*innenbörse?

Unsere Spieler*innen-Börse verbindet Spieler*innen, die noch ein Team zum Mitspielen suchen, mit Teams, die noch Mitspieler*innen suchen. Sowohl Teams als auch einzelne Spieler*innen können auf der Spieler*innen-Börse ihre Gesuche inserieren.

Der Funktionsumfang der Spieler*innen-Börse legt ein besonderes Augenmerk auf den Schutz persönlicher Daten: Wir veröffentlichen in Deinem Inserat keine persönlichen Kontaktdaten, stattdessen leiten wir Dir alle Reaktionen auf Dein Inserat per Mail weiter. So funktioniert’s: https://wildeligawien.wordpress.com/spieler_innen-boerse-howto/

Ist es ein Problem, wenn eine Person auch mal bei einem zweiten Team aushilft?

Die Zugehörigkeit der Spieler*innen zu ihren Teams ist nicht exklusiv (Poly*kickerinnen). Spieler*innen sind nicht an ihr Team gebunden, Teams können einander fallweise aushelfen. Leihspieler*innen und Vereinsspieler*innen sollen aber nicht als Schlüsselspieler*innen (Granat*innen) eingesetzt werden.

Nach welchem Spielmodus läuft eine WLW-Saison ab?

Der bisherige Modus in der ersten Saison 2017/18 war folgender: Round Robin ohne Division/Staffelung. Jedes Team trifft einmal auf jedes Team, es gibt kein Rückspiel. Für die neue Spielzeit 2018/19 übernehmen wir diesen Modus: Es begegnen sich also weiterhin alle Teams je 1x auf dem Platz.

Wo finde ich den aktuellen Spielplan?

Den aktuellen Spielplan findet ihr auf wildeligawien.wordpress.com.

Der Spielplan ist als Vorschlag der Wilden Liga für die Teams zu verstehen. Die Teams können sich abweichende Termine und Spielorte selbstständig ausmachen.

Wir wollen ein Spiel verschieben/absagen! Wie geht das?

Vor jedem Spiel sollen sich die Teams kontaktieren, um den Termin zu bestätigen. Im Falle einer Absage soll das andere Team früh genug persönlich oder per Telefon verständigt werden.

Da es keinen (verbindlichen!) Spielplan gibt, werden die Spieltermine einvernehmlich zwischen den sich begegnenden Teams festgelegt. Es sollte versucht werden, allen Teams, die mit eine*m spielen wollen, die Möglichkeit dazu zu geben. Dass die besten zwei bis drei Spieler*innen des eigenen Teams an einem Sonntag ausfallen, ist kein hinreichender Grund von einer Spielabmachung abzusehen oder ein angesetztes Spiel wieder abzusagen. Spielabsagen sollten rechtzeitig erfolgen, damit das gegnerische Team eventuell noch einen Ersatzgegner*in findet und sich am extra freigehaltenen Sonntag nicht mit sich selbst beschäftigen muss. Verpennt ein Team seinen Spieltermin oder vergisst ihn abzusagen, haben sie das Spiel normalerweise mit 0:5 verloren, es sei denn, das gegnerische Team stimmt einer Neuansetzung zu.

Die Teams kontaktieren sich jedenfalls gegenseitig und entscheiden konsensual über Anstoßzeit und Austragungsort.

Auf welchen Plätzen wird die Wilde Liga ausgetragen?

In der Saison 2017/18 haben wir alle Spieltage wochenends auf der Schlosswiese im Augarten ausgetragen. Der Verein Parksportkultur öffnet dort den Platz für die Allgemeinheit und gibt damit auch der WLW die Möglichkeit, dort zu kicken.

In der aktuellen Spielzeit 2018/19 kicken wir samstags im Augarten – bisher auf der Schlosswiese, ab April 2019 auf der Auwiese. Sonntags hingegen bespielen wir den Sportplatz auf dem Gelände des Otto-Wagner-Spitals (Baumgartner Höhe, neben Pavillon 20).

Auch wenn wir derzeit glücklicherweise diese beiden Plätze verwenden können, wollen wir dennoch immer die Augen offenhalten, weil wir nie wissen können, wie’s weitergeht.

Deshalb ist eines nicht verzichtbar: Die Eigeninitiative aller Teams! Wenn ihr Vorschläge/Ideen hinsichtlich Spielorten habt, dann gebt Bescheid. Wir suchen Rasen- und Kunstrasenplätze, auf denen wir (Kleinfeld)-Fußball zelebrieren können und gleichzeitig unsere Geldbörserl schonen.

Um den Kommerz ins Abseits zu stellen, wollen wir gezielt den öffentlichen Raum bespielen. Reclaim Public Space!

Nach welchen Regeln wird gekickt?

Das Regelwerk der Wilden Liga Wien wird von allen Teams gemeinsam getragen und beschlossen, ist aber für die jeweilige Partie als Vorschlag zu verstehen und kann von den Teams verhandelt werden. Gespielt wird nach dem Motto: Erlaubt ist, was gefällt und der*m Anderen nicht schadet.

Ebenso verhält es sich mit der Festlegung der Spielzeit (Vorschlag: 40 (2×20) Minuten) oder auch in Bezug auf die Anzahl der Feldspieler*innen (Vorschlag: 5 Feldspieler*innen + 1 Torhüter*in). Beliebig viele Spieler*innenwechsel werden fliegend vollzogen.

Es gibt im Regel-Vorschlag keine Abseits-Regel. Ebenso ist die Rückpass-Regel außer Kraft, was bedeutet: Torhüter*innen dürfen bei einem Rückpass den Ball mit den Händen aufnehmen. Unabsichtliche Handspiele sollten nicht zu Elfmetern und Freistößen führen. Ansonsten gilt, wenn zwischen den Teams nichts anderes vereinbart wurde, der Regelwerk-Vorschlag der Wilden Liga Wien.

Kommt es zu einem Abweichen von technischen Anforderungen (immer gern gesehen: ein falscher Einwurf), wird ein Auge zugedrückt, solange sich das ausführende Team dadurch keinen Vorteil verschafft. Schließlich sollen auch die schlimmsten Grobmotoriker*innen die Möglichkeit haben, mitzuspielen.

Kicken ohne Schiri!? Was machen wir, wenn wir uns in einer Situation nicht einig sind?

Miteinander reden. Probleme mit dem begegnenden Team sollen während des Spiels auf friedliche Art und Weise geklärt werden, das kann für manche eine echte Herausforderung darstellen! Wir stellen es uns so vor, als stünde in der Wilden Liga auf der anderen Seite des Anstoßpunktes nicht eine Gegner*in oder gar Feind*in, die man mit allen erlaubten und nicht erlaubten Mitteln bearbeiten muss, sondern Gleichgesinnte, mitunter Freund*innen, mit denen man mit Spaß und in Würde einen fairen freundschaftlichen Kick feiern möchte. Und zwar so, dass man sich auch danach auf ein Wiedersehen auf dem Platz im Jahr darauf – oder bei Turnieren – freuen würde. Und wenn man sich zufällig mal im Dorf Wien in einem Beisl oder an der Donau sieht, freut man sich, dass man sich aus der Liga kennt und schätzt.

Wilde Liga-Spiele werden von beiden Teams so geführt, dass keine Schiedsrichter*in benötigt wird. Zum Geist der Wilden Liga gehört es, dass ein offensichtlich zu Unrecht begünstigtes Team auf seinen Vorteil verzichtet und ausbleibende Entscheidungen zu Ungunsten eines Teams freiwillig zugegeben werden. Bei Uneinigkeit über einen womöglichen Regelverstoß versuchen sich beide Teams sportlich-fair zu einigen, meistens durch eine sachbezogene Diskussion. Am liebsten wird es gesehen, wenn sich die beteiligten Spieler*innen an Ort und Stelle einigen. Bleibt die Einigung weiter aus, löst sich die Szenerie am besten dadurch auf, indem der Ball zum anderen Team hinüber gespielt und die Angelegenheit in Freund*innenschaft vergessen wird.

Alle Probleme auf dem Platz sollen auch von den Teams dort ausgeräumt werden. In Streitfällen, die trotzdem nicht geklärt werden können, kann die Angelegenheit miteinander im Plenum ausgehandelt werden. Grundsätzlich gilt: Es ist die Verantwortung der Teams, ein solches Einschalten des Plenums zu vermeiden. Spiele, die auf dem Platz nicht beendet werden, gelangen mit null Punkten für beide Teams in die Wertung.

Die Teams sind angehalten, sich an den Geist der WLW zu halten. Andernfalls wird das Thema beim folgenden Plenum besprochen. In solchen Fällen hat das begegnende Team ein Widerspruchsrecht gegen die Wertung des Spiels. Im Extremfall kann ein Team aus der Wilden Liga ausgeschlossen werden. Eine solche Entscheidung würde im Plenum getroffen werden.

Es gibt außerdem keine gelben und roten Karten. Kommt es zu Ausrastern einzelner Spieler*innen, werden diese ganz schnell vom eigenen Team des Platzes verwiesen. Taktische Fouls, wie überhaupt absichtliche Fouls an sich, sind schändlich, wie auch verbale Provokationen und Beleidigungen. Spieler*innen, die sich dieser Mittel bedienen und sich selbst nach einer im Affekt begangenen Entgleisung nicht sofort entschuldigen und sofortige Besserung geloben, sollten sich schämen und schnellstens vom eigenen Team ausgetauscht werden.

Wir liegen mit 0:3 oder noch höher zurück und haben keinen Bock mehr, das Spiel zu Ende zu spielen. Was können wir dann machen?

Wenn ein Spielstand von 0:3 oder ähnlich vom zurückliegenden Team als nicht aufholbar wahrgenommen wird, hat es die Möglichkeit, den Spielstand einzufrieren. Der aktuelle Spielstand wird als Resultat gewertet und für den Rest der Spielzeit werden die Tore nicht gezählt. Die Teams können auch gemischt werden, sodass der Kick ausgeglichener, würdevoller und spaßiger fortgeführt werden kann. Das Recht muss nicht wahrgenommen werden, alle dürfen versuchen, auch hohe Rückstände in der Spielzeit aufzuholen.

Gibt es eine Tabelle?

Ja, es gibt Tabellen, die in verschiedene Richtungen gelesen werden können. Sie bilden nicht nur die Anzahl der Siege des jeweiligen Teams ab, sondern bewerten insbesondere auch das Fair Play des jeweiligen Teams. Die Tatsache, dass am Ende der Saison Fair Play-Meister*innen feststehen, ist wichtiger, als die meisten Siege zu einzufahren. Am Ende jeder Spielzeit sollen aber keine Sieger*innen gefeiert werden. Stattdessen wird es eine gemeinsame Saison-Abschlussfeier geben, die wir zusammen organisieren, bei der wir einander feiern.

Die Partien werden auf zwei Varianten gewertet:
3 Punkte für „Sieg”, 1 Pkt für X, 0 Pkt für „Niederlage“.
0 bis 5 Fairplay-Punkte vergeben von jedem Team an jedes andere Team unmittelbar nach der jeweiligen Partie.
Es gibt daher zwei Tabellen. In der SXN-Tabelle belegen Teams bei Punktgleichheit einen Rang gemeinsam. In der Fairplay-Tabelle ebenso. In der Fairplay-Tabelle werden die Punkte auf die Anzahl der ausgetragenen Partien bezogen, nicht absolut gerechnet.

Wie viele Zeichen hat die LOK?

The Real Vorwärts Lokomotive Schwarzer Stern Hafenstrasze formerly known as Vorwärts Lokomotive Schwarzer Stern Hafenstrasze featuring The Revolution (149 Zeichen)

Wie gelangt das Spielergebnis eigentlich auf die Homepage?

Die Spielergebnisse sollen nach Spielende von beiden (!) Teams an folgende Emailadresse gesendet werden: wildeligawien@gmx.at. Das sollte so zeitnah wie möglich geschehen, weil ihr euch sonst vielleicht nicht mehr genau ans Ergebnis erinnern könnt und es dann eine Zeile weniger in eurer To Do-Liste gibt, die euch nachts den Schlaf raubt. Der Bericht beinhaltet die folgenden Informationen:

  • die Namen der beiden an der Begegnung beteiligten Teams (wird veröffentlicht)
  • Datum und Uhrzeit des Ankicks (bei Abweichung von ursprünglicher Ansetzung) (wird veröffentlicht)
  • Austragungsstätte (bei Abweichung von ursprünglicher Ansetzung) (wird veröffentlicht)
  • Spielresultat ausgedrückt in Scores (Endstand nach Toren) (wird veröffentlicht)
  • Anzahl der an das andere Team vergebenen Fair Play-Punkte (wird veröffentlicht), darf auf keinen Fall fehlen!
  • jeweilige Gender-Identifikation der für das eigene Team anwesenden Spieler*innen nach deren Eigen-Definition (kein Deklarationszwang! keine Fremd-Zuschreibung!) (wird auf explizit konsensualem Wunsch des Teams veröffentlicht, sonst nicht)
  • Detail-Informationen im Falle einer Absage der Begegnung (wird nicht veröffentlicht)
  • besondere Vorfälle und weitere Informationen (bei Bedarf) (wird nicht veröffentlicht)
  • optional einen eigenen frei verfassten Spielbericht (wird veröffentlicht)
  • Angabe über evtl. besondere Regel-Vereinbarungen in der Partie (wird veröffentlicht)

Kommentar/Feedback zur Vergabe der Fairplaypunkte (freiwillig, kein Rechtfertigungszwang, wird nicht veröffentlicht, aber an das begegnende Team weitergeleitet)

Innerhalb welcher Frist müssen die Spielberichte spätestens abgeschickt werden?

Wir hatten von 48 Stunden gesprochen, was sich als unrealistisch herausstellte. Dann haben wir eine 2-Wochen-Frist ausgemacht. Leute, es macht halt wenig Sinn, mit dem Abschicken von Berichten wochenlang zu warten – auch wenn das Verstreichen der Frist nicht geahndet wird.

Bis wann müssen alle Spiele einer Saison abgehalten werden, damit sie noch in die Wertung kommen?

Es ist wünschenswert, dass alle Spiele einer Saison bis Ende Juni ausgetragen werden, allerspätestens jedoch bis zum nächsten Saisonstart. Wir wollen nicht die alte Saison mit in die neue nehmen, irgendwann müssen wir schließlich auch mal mit etwas abschließen können. 😉

Die Spiele können auch in einer Halle, im Käfig, beim Wuzzeln oder einer Partie UNO ausgetragen werden.

Nach welchen Kriterien sollen wir die Fairplaypunkte vergeben?

Nach keinen vorgegebenen – ihr entscheidet, was Fairplay für euch ausmacht. Schließlich bleibt das immer eine subjektive Geschichte. Aber transparent sollte es schon sein.
Dass unsere Teams nach den Spielen einander bis zu 5 Fairplay-Punkte vergeben, die mehr wiegen als Tore und Siege, ist nämlich eine der wichtigsten Methoden in der Wilden Liga, den Fußball ohne Leistungs- und Ergebnisorientierung und auch ohne Schiedsrichter*in fair zu gestalten.

Aus den ersten Erfahrungen mit diesem besonderen Wertungssystem wissen wir, dass die bloße Vergabe dieser Fairplay-Punkte – ohne weitere Auseinandersetzung der Teams untereinander – zu Unverständnis und Unmut (v.a. über Punktabzüge) führen kann. Deshalb können sich unsere Teams auch ein gegenseitiges Feedback geben. Idealerweise geschieht das von Angesicht zu Angesicht nach Spielende. Es gibt aber keinen Rechtfertigungszwang.
Good-Practise-Vorschlag: Fairplay zum Thema machen! Vor dem Spiel, nach dem Spiel, während des Spiels. Bei Unklarheiten direkt bei den Teams nachfragen!

Worauf muss ich beim Ausfüllen des Spielberichts achten, wenn’s um die Genderstatistik geht?

Ziel dieser Statistik ist es, Gender-Ungleichheiten aufzuzeigen und die Motivation zu steigern, vermehrt durchgemischte Teams zu formieren, die nicht nur aus cisMännern (Zusammenfallen von Körpergeschlecht und Geschlechtsidentität bei biologischen Männern) bestehen. Wichtig ist bei der Einsendung der Gender-Statistik:

  • Keine Fremdzuschreibung / Kein Deklarationszwang (Person muss freiwillig ihr Gender preisgeben wollen)
  • Es gibt mehr als zwei Geschlechter! (binäres Denken soll aufgebrochen werden, deshalb reicht es nicht, z. B. den Frauenanteil anzugeben und einen Männeranteil zu suggerieren)
  • Keine fehlenden Angaben, Personen, die sich nicht äußern möchten, werden als undeklariert angegeben.
  • Gesamtspieler*innenanzahl angeben (Jede Person, die am Spielfeld eingesetzt wurde)

Weshalb beschäftigen wir uns in der Wilden Liga mit der Thematik „Geschlecht“?

Fußball ist im Allgemeinen männerdominiert – auf dem Feld, auf den Tribünen, in den Vereinen, in den Medien. Der Fußball in der Wilden Liga soll von Gleichberechtigung, Diversität und gegenseitigem Respekt geprägt sein. Wir verstehen uns als Projekt, das nicht einfach nur die im Fußball übliche Geschlechtertrennung aufheben will, sondern auch die Männer-Dominanz im Fußball brechen möchte. Wir haben uns daher intensiv mit Geschlecht und Geschlechterrollen beschäftigt und versuchen stets, Maßnahmen zu setzen, um unserem Anspruch gerecht zu werden. In unseren Debatten haben wir gelernt, einen differenzierten Blick auf Geschlecht und Gender einzunehmen – z. B., dass die Vorstellung eines binären Geschlechtermodells, in dem ein Mensch entweder nur „ein Mann“ oder „eine Frau“ sein kann, der Realität nicht gerecht wird. In dieser Auseinandersetzung tauchten viele Begrifflichkeiten auf, die wir auch in diesem FAQ an mehreren Stellen erläutern.

Was bedeutet „Geschlecht“?

Wenn im Deutschen von „Geschlecht“ die Rede ist, können damit genau genommen zwei verschiedene Dinge gemeint sein. Im Englischen beispielsweise gibt es tatsächlich zwei verschiedene Begriffe für „Geschlecht“: „Sex“ und „Gender“.

„Sex“
„Sex“ bezeichnet im Deutschen das „biologische Geschlecht“. Die breite Gesellschaft geht hierbei davon aus, dass Menschen im Wesentlichen einer von zwei Typen biologischen Geschlechts sind: Ein Mensch ist – rein aufgrund seines Körpers – entweder ein „Mann“ oder eine „Frau“. Das wird von Mitmenschen schon bei der Geburt an den Geschlechtsmerkmalen abgelesen, sehr kurz gesagt: Wer einen Penis hat, ist in den Augen der heutigen Gesellschaft ein Mann, wer eine Vagina hat eine Frau. Etwas Anderes gibt es in den Augen unserer gegenwärtigen Gesellschaft nicht.

Intergeschlechtlichkeit: Es gibt aber Menschen (verschiedene Quellen: zwischen 0,02% und 1,7%), deren körperliche Merkmale nicht eindeutig „Mann“/„Frau“ anzeigen – oder die auf den ersten Blick wie einer der beiden Typen aussehen, bei genauerem Hinsehen aber uneindeutig „Mann“ oder „Frau“ sind. Menschen, deren biologisches Geschlecht nicht eindeutig „Mann“ oder „Frau“ ist, werden mit dem Sammelbegriff „intergeschlechtlich“ bezeichnet. „Inter“ ist aber nicht einfach das „dritte Geschlecht“: Es gibt nicht den „klassischen“ intergeschlechtlichen Menschen, sondern eine Vielzahl an Erscheinungsbildern. Unsere Gesellschaft empfindet intergeschlechtliche Körper als missraten. Diese werden häufig bereits als Neugeborene mit chirurgischen Eingriffen an eines der beiden binären Geschlechter angepasst.

Konstruiertes biologisches Geschlecht: Die Queer-Theorie geht sogar davon aus, dass das naturgegeben wirkende biologische Geschlecht ein Resultat gesellschaftlicher Prozesse ist: Gesellschaftliche Phänomene wie „Gender“ (siehe unten) wirken auf die Ausprägung der Geschlechtsmerkmale von Körpern nachfolgender Generationen. Das biologische Geschlecht wäre somit nicht einfach naturgegeben, sondern von der Gesellschaft beeinflusst, konstruiert.

„Gender“
„Gender“ bezeichnet im Deutschen das „soziale Geschlecht“. Auch hier spricht die gegenwärtige Gesellschaft ebenso (und ausschließlich) von „Mann“ und „Frau“. Anders aber als das biologische Geschlecht verweist das soziale Geschlecht nicht unmittelbar auf Geschlechtsmerkmale am Körper, sondern bezieht sich auf die gesellschaftliche Geschlechterrolle, also auf alles, was in einer Kultur als typisch für ein bestimmtes Geschlecht angesehen wird (zum Beispiel Kleidung, Beruf oder das Verhältnis zum Fußball). Das soziale Geschlecht ist also sehr deutlich von der Gesellschaft erzeugt, durch gesellschaftliche Prozesse konstruiert, während das biologische Geschlecht (mutmaßlich) naturgegeben ist. Sozial- und Geschlechterwissenschaftler*innen gehen davon aus, dass Menschen ihre Geschlechterrolle ähnlich wie Schauspielerinnen im Theater „spielen“.

Mehr noch: Sie erlernen diese Rolle durch die Gesellschaft, welche sie aufgrund des biologischen Geschlechts in eine Rolle, in ein soziales Geschlecht, „hinein erzieht“. Die so andauernde Wiederholung von sozialen Rollen stiftet Identität im individuellen Menschen, d.h. der Mensch beginnt sich als die Rolle, die er spielt, zu begreifen und zu fühlen. Man spricht bei „Gender“/ „sozialem Geschlecht“ also auch immer über Geschlechtsidentität eines Menschen.

Sex und Gender: Gehören ganz natürlich zusammen?
Insgesamt ist zu sagen, dass die aktuelle Gesellschaft es als naturgegeben ansieht, dass es (nur) zwei biologische Geschlechter gibt. Und sie sieht es ebenso als naturgegeben an, dass alle Menschen eines bestimmten biologischen Geschlechts auch eine ganz bestimmte typische Rolle und Identität (soziales Geschlecht) gemein haben. Das zeigt sich dann an der Tatsache, dass es nur die Begriffe „Mann“ und „Frau“ für sowohl Sex als auch Gender gibt. Aber: Dort, wo „Sex“ und „Gender“ in unserer Gesellschaft tatsächlich als eng verknüpft erscheinen, ist das weniger einfach nur naturgegeben als vielmehr ein Resultat der Erziehung ab dem ersten Lebenstag aufgrund des zugewiesenen biologischen Geschlechts.

Was bedeuten „cis“ und „trans“?

Transpersonen sind Menschen, die sich nicht (oder nicht ganz) als dem Geschlecht zugehörig empfinden, das ihnen bei der Geburt zugewiesen wurde. Das soziale Geschlecht, wie sie es als ihre Identität begreifen, entspricht nicht dem von der Gesellschaft zugewiesenen biologischen Geschlecht.

Der Begriff „Cisgender“ wurde gewissermaßen als „Gegenteil“ zu „trans“ eingeführt: Cis-Personen sind Menschen, deren Geschlechtsidentität mit dem zusammenfällt, wie sie von Mitmenschen in dieser Gesellschaft gelesen werden. Als cis-Männer und cis-Frauen sind und fühlen sie das, was die Gesellschaft gegenwärtig als „normal“ unterstellt – eine Unterstellung, die wir in der Wilden Liga aber nicht tragen: Cis sollte nicht als „das Normale“ begriffen werden.

Welche Maßnahmen setzt die Wilde Liga gegen die cis-Männerdominanz in Ihrem Fußball?

Grundsätzlich sehen wir es als unsere Aufgabe, uns kontinuierlich sowohl praktisch auf dem Feld als auch theoretisch in der Diskussion mit Diversität im Allgemeinen und der Rolle von Geschlecht im Speziellen auseinanderzusetzen, Ideen und Konzepte weiterzutragen und dauerhaft einen neuen, offeneren Konsens als den gängigen gesellschaftlichen herzustellen. Fußball soll allen Spaß machen.

Mixed Teams
Wir organisieren unseren Spielbetrieb nicht nach Frauen und Männern getrennt. Es gibt eine Liga für alle. Die Teams setzen sich bunt zusammen, wie sie wollen.

Statistikerfassung
Mehr dazu findest du bei der Frage „Wie und warum wird jetzt eine Statistik in der Wilden Liga geführt?“

FLINT*-Workshop
Mehr dazu findest du bei der Frage „Was ist ein FLINT-Workshop?“

Exkurs über die Quotendiskussion: Die Frage, ob wir eine irgendwie geartete verpflichtende Quote (bzgl. Geschlechteranteilen) einführen sollten, haben wir bisher mit „Nein“ beantwortet. Das Plenum empfand eine solche Maßnahme als sehr strukturell und restriktiv und als Zwang für „Quotenfrauen“, dann nur aufgrund ihres Geschlechts auf dem Feld zu stehen.

Was ist ein FLINT* Workshop? Und was soll eigentlich dieser Stern?

Beim FLINT* Fußball-Workshop haben Frauen, Lesben, inter, non-binary- und trans* Personen (dafür steht die Abkürzung FLINT*) die Möglichkeit, ohne cis-Typen mit professionellen Trainer*innen Schwerpunkte wie Balltechnik zu üben sowie unterschiedliche Spielformen kennenzulernen. Ziel dieses Trainings ist es nicht, dass sich rein exklusive FLINT*-Teams formieren. Wenn das passiert, ist das okay, aber es ist nicht das Ziel, der Grund, weshalb wir diese Workshops anbieten. Es geht darum, einzelnen FLINT*-Personen den Zugang zum Fußball zu ermöglichen und Barrieren beim Einstieg ins Kicken und in unsere Liga abzubauen.

Der Stern ist in der geschriebenen Sprache ein Platzhalter und soll symbolisieren, dass es weitere Identitäts-Kategorien gibt. Bei FLINT* symbolisiert der Stern weitere Kategorien, die nicht alle aufgezählt werden, wohl aber auch gemeint sind. Nicht nur bei FLINT* wird der Stern als „Ergänzung“, als Platzhalter verwendet: In diesem Sinne wird der Stern auch als „Gender-Gap“ eingefügt, z. B. bei „Spieler*innen“, um klar zu machen, dass alle Menschen, die spielen, gemeint sind.

Wie und warum wird jetzt eine Genderstatistik in der Wilden Liga geführt?

Die Wilde Liga begreift Fußball gegenwärtig als massiv dominiert von cis-Männern und hat es sich zum Ziel gesetzt, diese Dominanz innerhalb des Spielbetriebs der Wilden Liga zu brechen. Eine Maßnahme ist die Aufzeichnung einer Statistik über die Anteile der Geschlechter an den Spielen. Dabei fordern wir von jedem Team im Spielbericht nicht nur Angaben zum Spielergebnis, sondern auch darüber, welchen Geschlechts die Menschen waren, die in diesem Spiel für das Team aufgelaufen sind.

Da wir Menschen nicht einfach „lesen“ wollen, d.h. sie nicht fremdbestimmen wollen, ist die Vorgabe, dass jeder Mensch aktiv gefragt werden muss, welchen Geschlechts er sich selbst zugehörig fühlt. Gleichzeitig wird es akzeptiert, wenn sich ein Mensch auf diese Frage nach dem Geschlecht hin nicht deklarieren will, um keinen Deklarationszwang zu erzeugen. Jede Antwort auf die Frage, welchen Geschlechts sich der Mensch zugehörig fühlt, wird akzeptiert und gelangt in die Statistik.

Dabei können Identitäten genannt werden, von denen du vielleicht noch nie gehört hast – aber wenn sich ein Mensch z.B. eben als „Einhorn“ fühlt, dann nehmen wir das Geschlecht Einhorn in die Statistik auf und zählen am Saisonende eben nicht nur cis-Männer, cis-Frauen, Interpersonen, Transpersonen und Undeklarierte, sondern eben auch Einhörner und alle anderen Identifikationen, die genannt wurden.

Der langfristige Sinn der Statistik ist zum einen, dass sich die Teams im Prozess dieser regelmäßigen Erfassung der Daten mit der Thematik Geschlecht und Geschlechterdominanzen im eigenen Team und im Fußball allgemein auseinandersetzen. Außerdem ist die Statistik ein ganz gutes Werkzeug, um zu überwachen, wie sich die cis-Männer-Dominanz in der Wilden Liga über die Zeit entwickelt und wie erfolgreich unsere Maßnahmen für mehr Diversität im Fußball scheinbar sind.

Worum müssen wir uns vor jedem Spieltag selber kümmern?

Um Kontaktaufnahme mit dem begegnenden Team, Verständigung über Ort/Zeit und einigermaßen einheitliche und unterscheidbare Kleidung.

Checkliste (ich packe in meinen Rucksack):

  • Ball, Markierungsleiberl / Huterl, Linien und Tor-Markierungsmaterial, Erste Hilfe-Koffer, Icepacks
  • nicht: Schuhe, die dem Manifesto widersprechen

Mit welchen Schuhen darf (nicht) gekickt werden?

Nocken- und Stoppelschuhe sind nicht erlaubt. Lieber gesehen sind Artificial Ground-Schuhe sowie Hartplatz-/Turf-, Hallen-, Lauf- und Turnschuhe! Natürlich darf auch barfuß gespielt werden. Die Schuh-Frage ist natürlich auch abhängig von den Vorgaben der*s jeweiligen Platzwärt*in. Hierbei sei gesagt: Die Fairplay-Haltung gilt auch gegenüber jeder*m Platzwärt*in.

Welche sonstigen Regeln sind auf den Plätzen vorgegeben?

Rauchen ist offiziell nicht gestattet. Außerdem sollten wir gemeinsam darauf achten, die Plätze und das Gelände stets sauber und aufgeräumt zu hinterlassen.

Wie kommunizieren wir miteinander?

Solidarisch und respektvoll. 🙂

Wir haben zwei Mailinglisten: Den Newsletter und die Orgaliste.

Die Orgaliste dient der internen Kommunikation zwischen den Plena und wird auch von WLW-Arbeitsgruppen verwendet, die um Unterstützung bitten. Über den Orgaverteiler wird auch das Protokoll der Plena ausgeschickt. Auch ihr könnt an den Orgaverteiler etwas schicken, wenn ihr ein Anliegen habt, das ihr mit uns anderen Wildligist*innen teilen wollt.

Der Newsletter hingegen wird für Ankündigungen usw. verwendet, die auch nach außen gehen sollen.

Das Wichtigste ist allerdings die persönliche Kommunikation am Platz und vor allem auch am Plenum! Als hilfreich hat sich erwiesen, wenn Teams untereinander gut kommunizieren, sodass z. B. alle Spieler*innen zumindest von der Existenz des WLW-Manifesto wissen. 🙂

Was ist das WLW-Plenum und warum sollte ich da hingehen?

Um den Überblick über den Wilde Liga-Kosmos zu behalten, treffen sich die Wildligist*innen in regelmäßigen Abständen. Bei diesen Zusammenkünften werden Spielerfahrungen ausgetauscht, Spieltermine abgesprochen und organisatorische Fragen geklärt. Sind gravierende Probleme aufgetreten, versucht diese Versammlung eine Lösung zu finden.

Darum ist es mit Nachdruck wärmstens empfohlen dafür Sorge zu tragen, dass von eurem Team mindestens eine Person zum Plenum kommt. Falls es sich mal nicht ausgehen sollte, dann gebt vorher Bescheid. Es gibt keine Sanktion für Abwesenheit. Die aktive Teilnahme an der Wilden Liga ist jedoch sehr wichtig.

Außerdem ist der gemeinsame kulturelle Wert dieses Treffens nicht zu unterschätzen: Wer in regelmäßigen Abständen ein Erfrischungsgetränk teilt, lernt sich untereinander besser kennen und verhält sich am Ende auch auf dem Platz fairer zueinander.

Wie werden Entscheidungen getroffen?

Das Plenum ist das zentrale Organ zur Entscheidungsfindung und stetigen Weiterentwicklung der Strukturen und Ziele der WLW. Es arbeitet in solidarischen und moderierten Debatten. Das Plenum arbeitet konsensorientiert.

Eine Regelung, ab wie vielen Personen ein Plenum beschlussfähig ist, gibt es derzeit nicht. Änderungen des WLW Manifesto werden ebenfalls konsensual gefällt. In diesem Falle muss allerdings schon im Vorhinein angekündigt werden, dass eine solche Entscheidung am nächsten Plenum ansteht.

Im (bisher noch nicht eingetretenen, also eigentlich rein hypothetischen) Falle, ein Plenum käme in einem Punkt per Konsensprinzip zu keiner Entscheidung und ist deshalb blockiert, gibt es die Ausnahmeregelung, dass eine Mehrheitsentscheidung initiiert werden kann. Diese Abstimmung kann aber erst am darauffolgenden Plenum stattfinden und muss ebenfalls vorher angekündigt werden. Das initiierende Plenum muss dabei aber noch die Modalitäten der Abstimmung festlegen: Worüber wird abgestimmt? Stimmen alle Anwesenden mit oder zählt eine Stimme pro Team? Gibt es eine Regelung zum Anteil an abstimmenden cis-Männern? Was ist eine Mehrheit? Was geschieht bei Gleichstand? Soll es eine offene oder geheime Abstimmung sein? Gibt es die Möglichkeit der Enthaltung? Sind Stimmübertragungen von Abwesenden erlaubt? Gibt es Veto-Optionen?

Wir wollen jedenfalls weiterhin versuchen, alle Entscheidungsprozesse konsensual zu gestalten. Bisher sind wir damit eh gut gefahren. Im Grunde ist die Antwort auf die Frage also: Das Plenum arbeitet konsensorientiert.

Wie oft treffen wir uns und wie erfahre ich den nächsten Plenumstermin?

Wir treffen uns prinzipiell alle vier Wochen am Sonntag. Die aktuellen Termine findest du auf wildeligawien.wordpress.com. Wenn du laufend informiert werden willst, kannst du auch unseren Newsletter abonnieren!

Was mache ich, wenn ich nicht beim Plenum war oder mich an etwas ganz Wichtiges nicht mehr erinnern kann?

Es findet sich eigentlich immer eine Person, die mitschreiben möchte. Das Protokoll hält knapp die wichtigsten Beschlüsse zusammen und wird mehr oder weniger zeitnah über den Orgaverteiler ausgeschickt. Sinnvoll wäre es, wenn ihr die wichtigsten Infos, die sich aus dem Plenum bzw. Protokoll ergeben, mit den anderen Menschen aus euren Teams teilt.

Wie kann ich mich in der Wilden Liga einbringen?

Die Teilnahme an der WLW soll nicht die Inanspruchnahme einer Dienstleistung bedeuten. Wir sind ein partizipatives Projekt, das vom Engagement von Einzelpersonen aus allen Teams und darüber hinaus lebt.

So bilden sich – meist direkt bei den Plena – für die unterschiedlichsten verwirklicht werden wollenden Ideen Arbeitsgruppen. Über den Orgaverteiler wenden sich die Arbeitsgruppen an andere Wildligist*innen, um um Unterstützung zu bitten. Das wäre dann ein guter Zeitpunkt, dich einzubringen. 🙂

So kann jedes Team soll die Gelegenheit nutzen, die Wilde Liga mitzugestalten. Die Möglichkeiten, sich zu beteiligen, sind nicht endenwollend. Und das ist auch gut so!

Es gibt also neben dem Plenum noch Arbeitsgruppen, interessant. Ist das Plenum also doch nicht das einzige Organ der Wilden Liga?

Jein. Die Arbeitsgruppen bilden sich bei den Plena und sind offen für jede*n. Es geht dabei z. B. Darum, eine Soliparty vorzubereiten oder einen Text zu überarbeiten. Arbeitsgruppen bilden sich für einen bestimmten Zeitraum und lösen sich dann wieder auf.

Wie finanziert sich die Wilde Liga Wien?

Wir finanzieren uns ausschließlich über freiwillige Spendenbeiträge. Es gibt also keine vorgegebenen Teambeiträge für die Teilnahme an der WLW. Wenn ein Team oder eine Einzelperson uns unterstützen will, freut sich unsere magere Kasse jedoch immer. An Spieltagen gibt’s (fast) immer eine Bierspendenkassa, hie und da eine Soliparty oder ein kleines Turnier, wo wir ebenfalls auf Spendenbasis versuchen, unser bescheidenes Budget aufzubessern.

Unser derzeitiger Konsens besagt: Wir wollen unabhängig von öffentlichen Förderungen und kommerziellen Geldgeber*innen sein. Our football is not for sale!

Wann steigt die nächste WLW Soliparty?

Bald! Halte Ausschau nach Ankündigungen auf wildeligawien.wordpress.com.

Was ist ein WLW Café?

In unregelmäßigen Abständen veranstalten wir so genannte Wilde Liga Cafés. Das sind Get Togethers, bei denen sich Spieler*innen aller Teams auch mal abseits des Spielfelds austauschen können. Wilde Liga Cafés sind offen für alle. Wer sich über das Projekt informieren will, kann hinkommen und mit den Leuten plaudern. Wer gerne mitkicken möchte und noch auf der Suche nach einem Team ist oder ein neues Team bilden will, hat hier eine Gelegenheit dazu, bei diesem Vorhaben einen Schritt voran zu kommen.

Wilde Liga Cafés können auch einen inhaltlichen Schwerpunkt haben – etwa in Form einer Filmvorführung oder eines Inputvortrags mit Diskussion.

Was ist ein Critical Kick?

Beim Critical Kick vereinigen sich wilde Ballsportdilettant*innen und erobern dabei den öffentlichen Raum. Gemeinsam ziehen wir mit Banner, mobilen Toren und einigen Bällen durch die Straßen und über die Grünflächen Wiens.

Wo uns der wandernde Kick hinführt, bleibt im Vorhinein offen (you never know anyway)…

Jedenfalls gibt’s sicher dabei ein lustiges Kickerl mit Bier und musikalischer Untermalung solange wir Lust haben oder bis die Cops, der Hunger, das Morgengrauen uns vertreiben. Reclaim Public Space!

Wer sind die WLW Nostars und was machen sie?

Die Wilde Liga Wien Nostars sind eine Ansammlung zufällig zusammengesetzter Kicker*innen aus WLW-Teams, die bei Turnieren in Wien und international antreten.

Unsere Nostars haben schon mitgekickt beim Arena Cup, beim Gruft Turnier, beim Ute Bock Cup, den Mondiali Antirazzisti, der DAM, dem No Racism Cup (Auflistung vielleicht unvollständig).

Infos zu Turnieren, an denen die Nostars teilnehmen, werden über den Orgaverteiler ausgeschickt. Melde dich, wenn du mitkicken willst!

Was ist 3-sided Football (3SF)?

3SF ist eine Ballsport-Spielart, deren Praktizierung wir zukünftig in Erwägung ziehen.

Das 3-Seiten-Fußballspiel wurde ursprünglich 1962 von dem dänischen Situationisten, Künstler und Philosophen Asger Jorn entwickelt. Vorgestellt wurde es 1964 in seinem Buch „The Application of the Triolectical Method in General Situology“, veröffentlicht und herausgegeben vom Scandinavian Institute for Comparative Vandalism in Århus. Jorn benutzte das 3-Seiten-Fußballspiel als eine Möglichkeit der Vermittlung seines Begriffs der Triolektik – einer dreiwertigen Logik, welche die binäre, zweiwertige Struktur der Dialektik ersetzen sollte.

Das Dritte Element
3-Seiten-Fußball sollte demonstrieren, wie die Einführung eines dritten Elements in ein binär-duales System, jenes neutralisierte, was er als den „unvermeidbaren, schädlichen Effekt einer antagonistischen Polarität“ betrachtete. 3-Seiten-Fußball war für ihn also vor allem ein theoretisches Beispiel für eine Kritik an der Logik der Denkfigur der Dualität.

Triolektik
Die Triolektik ist eine Form der Dekonstruktion des Konzepts der Dialektik. Jorn versuchte die Dualität der klassischen Dialektik der These und Antithese somit um ein Drittes zu modifizieren. Im Gegensatz zur Dialektik gibt es hier also drei gegensätzliche Positionen, von denen sich aber z. B. zwei temporär zu Lasten der jeweils Dritten zusammenschließen können. Jorn schafft es mit diesem Konzept, das unversöhnliche und widerstreitende Gegensätzliche der dialektischen Beziehung aufzulösen, ohne sie jedoch in eine falsche Versöhnung zu überführen. Und das führt uns zurück zu den …

Regeln des 3SF:
Im 3-Seiten-Fußball verlagert sich der Schwerpunkt vom Tore Erzielen gegen eine*n einzige*n Gegner*in dahingehend, zwei Gegner*innen vom Punkten abzuhalten. Dadurch, so spekulierte Asger Jorn, würde sich der offensive Charakter des Wettkampfs insgesamt zu einem defensiven wandeln.

Ein wesentliches Merkmal des Spiels ist es somit, weder Aggressionen oder Konkurrenzdenken zu fördern. Im Gegensatz zum zweiseitigen Fußball gibt es keine Aufzählung der erfolgreich geschossenen Tore. Allerdings gibt es einen Spielstand, der die kassierten Tore anzeigt. Gewinner*in ist das Team, dem es gelingt, die wenigsten Tore durchzulassen.

Das Spiel dekonstruiert also die mythische bipolare Struktur des konventionellen Fußballs, von einem Kampf des „Wir gegen die Anderen“ (der Ur-Erzählung der Dualität).

Im klassischen Fußball spielt ein*e Schiedsrichter*in die Rolle der Vertreter*in des Staats- und Medienapparates. Das bedeutet, dass diese*r im übertragenen Sinne gesellschaftlich als eine Art vermeintlich neutrale*r Vermittler*in im politischen Prozess des Klassenkampfes in Erscheinung tritt. Diese Neutralität der Schiedsrichter*in – genauso wie die des Staates oder Medienapparates im Klassenkampf – kann es so natürlich nicht geben! Auch die Position der vermeintlich neutralen, weil außenstehenden, Schiedsrichter*in wird konsequenterweise im 3-Seiten-Fußball aufgelöst. Diese Rolle wird im Sinne der Triolektik durch drei Schiris ersetzt, deren neutrale Position gern angezweifelt werden darf. Schließlich stehen sie nicht außerhalb des Spiels und damit auch nicht außerhalb der real ausgetragenen Konflikte und affektiven Ereignisse der Spieldynamik. Entscheidungen und Regeldiskussionen sind während des Spiels gut möglich. Da diese allerdings den Spielfluss aufhalten, empfiehlt es sich, beherzt seine Interessen im Spielverlauf kreativ durchzusetzen – was nicht bedeuten muss, dass die Schiris das einfach passiv goutieren werden!

Da wir in der Wilden Liga ja prinzipiell ohne Schiri spielen, werden wir überlegen müssen, wie wir in einem zukünftigen WLW-3SF-Experiment mit diesem Part des 3SF-„Regelwerkes“ umgehen wollen.

Das Spielfeld und die psychosexuelle Dimension
Asger Jorn betrachtete die Struktur des 3-Seiten-Fußballs aber nicht nur als eine Analogie auf den Klassenkampf, sondern auch noch aus einer progressiv psychoanalytischen Perspektive: So gesehen löse die dreiseitige Variante gleichermaßen das dem klassischen Fußball immanente psychosexuelle Drama des „Fickenden“ (aktiv) und „Gefickten“ (passiv) auf – denn mit einer dritten Partei werden die Möglichkeiten mannigfaltig, so Jorn.

Das Spielfeld ist also sechseckig und jedem Team werden zwei gegenüberliegende Seiten zugeteilt, was regelt, wer den Ball einwerfen darf, falls er vom Spielfeld gekickt wird.

Die leeren Seiten heißen Vorderseiten. Die Seite mit der „Öffnung“ heißt „Rückseite“, die Öffnung selbst nennen wir „Tor“. Sollte der Ball durch die Öffnung einer Mannschaft „stoßen“, wird das als ein Tor gezählt – symbolisch betrachtet führe das die anal-fixierte homophobe Stoßrichtung des konventionellen Fußballs zunächst weiter, welche eine homoerotische Spannung aufbaue, nur um sie dann zu sublimieren und somit letztlich zu unterdrücken.

Die triolektische Aneignung des 3-Seiten-Fußballs löse dann jedoch die homoerotische/homophobe Bipolarität des klassischen Fußballs auf: Ein erfolgreicher Angriff beinhaltet zumeist eine erfolgreiche Kooperation mit dem dritten Team. Die Beschreibungen gelten natürlich für ein Spiel, welches sich bis heute hauptsächlich als männerdominiert versteht. Die Tatsache, dass Fußball bis heute cis-männerdominiert ist, soll sich durch die strukturellen Modifikationen des Spiels, die hier in ihrer psychosexuellen Dimension beschrieben worden sind, ebenfalls ändern. 3-Seiten-Fußball bricht durch seine (psycho-)strukturelle Beschaffenheit also auch mit den Rollenzuschreibungen, die an uns aufgrund unseres Geschlechts traditionell herangetragen werden.

Sollte der Ball über die Vorderseite ins Aus gespielt werden, gibt es einen Einwurf. Der Einwurf wird von dem Team ausgeführt, dem die Frontseite zugehörig ist – es sei denn, es hat den Ball zuletzt berührt (die dem Team zugehörigen Seiten liegen immer dem Tor gegenüber). In diesem Fall hat das Team den Einwurf, dessen Tor am nächsten zu der Seite steht, auf der der Ball ins Aus gespielt worden ist. Sollte der Ball auf der Rückseite ins Aus gespielt werden, hat das angegriffene Team Abstoß vom Tor, es sei denn sie haben den Ball zuletzt berührt. In dem Fall bekommt das Team einen Eckstoß, dessen Tor am nächsten zu der Ecke steht, aus der der Eckstoß ausgeführt wird – genau wie in der klassischen Variante. Der Halbkreis um die Tore kann zum Strafraum bestimmt werden, der beim Abseits eine Rolle spielt. Die Abseitsregeln für Dreiseitenfußball wurden bisher allerdings außen vorgelassen.

Spieldynamik
Die „Penetration“ der Abwehr durch zwei gegnerische Teams erlegt dem angegriffenen Team die Aufgabe auf, ein Gegengewicht zu schaffen und Missgunst in die Allianz seiner Gegner*innen zu säen. Allianzen sind beim 3-Seiten-Fußball deshalb immer pragmatisch und nur von kurzer Dauer. Du realisierst diese wechselhaften Bündnisse, indem du via Augenkontakt, Zuruf und Körperkontakt im Spiel Verabredungen trifft. Die Fähigkeit, den Ball und die Mitspieler in eine bestimmte Position zu manövrieren, sodass eines der gegnerischen Teams realisieren wird, dass es nun eher ihrem Interesse entspricht, die Allianz zu brechen, ist beim 3-Seiten-Fußball ebenfalls obligatorisch. Wenn du den Umstand betrachtest, dass diese Interessenverschiebung durchaus taktisch zu verstehen ist und somit nicht zwingend sofort zur Auflösung der Allianz führt, verstehst du, dass sich die Teams in einer Art andauernden Zwischenzustand befinden können – denn Allianzen sind im 3-Seiten Fußball immer nur ein fragiles Gebilde. Das entspricht Asger Jorns Idee eines triolektischen Verhältnisses, indem sich keine festen Dualitäten mehr realisieren lassen. So bleibt keine der drei Parteien längerfristig außen vor oder benachteiligt: Die chaotische Situation des „Dazwischen“ kann wiederum von Opponent*innen taktisch ausgenutzt werden, wenn sie spontan eine neue Allianz bilden und somit das Chaos komplettieren.

3-Seiten-Fußball ist ein Spiel und Zusammenspiel verschiedenster Fähigkeiten: der Manipulation, der Verführung, des Dissens, der Dekonstruktion und der Wahrnehmung der speziellen Umgebung des Spielfeldes, welches sich der bekannten Struktur des Fußballs entzieht – der Psychogeographie.

3SF in der Praxis
Bisher konnte nicht abschließend geklärt werden, ob Asger Jorn selber Spiele organisiert hat. Es gibt nur wenige Hinweise darauf, dass 3-Seiten-Fußball bereits gespielt wurde, bevor die London Psychogeographical Association (LPA) 1993 während der Glasgow Anarchist Summer School ihr erstes Spiel organisierte. Es gibt das Gerücht, dass ein gewisser Luther Blisset Anfang der Achtziger Jahre während seiner Zeit in Watford eine lockere und unverbindliche Liga aus Jugendclubs organisierte. Bedauerlicherweise haben Recherchen bisher keinerlei Hinweise ergeben, die das belegen könnten. Nichtsdestotrotz wird Blissets Name vermutlich mit der dreiseitigen Version des Spiels eng verbunden bleiben, wenn auch in einer etwas nebulösen Art und Weise.

Asger Jorn, der das Spiel vor allem als theoretisches Beispiel nutzen wollte, sah allerdings weniger die provokanten und herausfordernden Möglichkeiten dieser innovativen Spielform und ging davon aus, dass es wohl kein besonders spannendes Spiel sein würde. Es sei aber wahrscheinlich, „dass es ein chaotisches Klima der Anspannung und Frustration erzeugt, welches zu einem Ausbruch führt“. Nach einigen Testspielen können wir behaupten, dass Asger Jorn damit Recht hatte, dass es ein Klima der Anspannung erzeugt, welches sich zudem in einem unübersichtlichen, spontanen und kreativen Chaos in den verschiedensten Affekten entlädt. Jedoch irrt er sich auch gleichzeitig: Denn es macht unglaublichen Spaß!

Die Konstruktion eines 3-Seiten-Fußballspielfeldes
Ein 3-Seiten-Fußballspielfeld ist ein reguläres, d.h. gleichseitiges Sechseck. Es lässt sich sehr einfach aus einem Kreis konstruieren. Dazu braucht es einen Zirkel, oder für ein 3SF-Match drei gegen drei gegen drei einen spitzen Stock, ca. 10 Meter Schnur und eine Sprühdose, Kreide oder etwas Ähnliches.

Zuerst wählt man einen Mittelpunkt, markiert ihn, setzt den „Zirkel“ an und zieht einen Kreis.

Als Nächstes markiert man einen Punkt auf dem Kreis und setzt genau darauf den Zirkel erneut an. Da wo der „Zirkel“ den Kreis schneidet, markiert man wiederum und setzt den „Zirkel“ erneut an. Das wiederholt man insgesamt sechs Mal und landet wieder bei der ersten Markierung. Der Kreis hat nun sechs Markierungen.

Die nebeneinanderliegenden Markierungen werden nun mit Linien verbunden. Vom Mittelpunkt aus zieht man nun noch einen kleinen Kreis und verbindet diesen mit den Ecken, indem man den „Zirkel“ vom Mittelpunkt aus zu den Ecken spannt.

In der Mitte jeder zweiten Seite wird ein Tor aufgestellt und jeweils ein Torsechstel und das ihm gegenüberliegende Sechstel mit einem Zeichen versehen.


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